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Runder Tisch der Religionen 

Toleranz gegenüber religiöser Kleidung?

Runder Tisch der Religionen beklagt Missstände in Osnabrück

Vor dem jüdischen Jungen mit Kippa (Kopfbedeckung) spuckt ein Passant verächtlich aus. Hinter der Franziskanerin rufen Jugendliche belustigt "Ein Pinguin!" Eine Muslima mit Kopftuch bewirbt sich als Kassiererin im Supermarkt – und wird abgelehnt. Wo ist das alles geschehen? In der Friedensstadt Osnabrück.

Bei einer öffentlichen Sitzung des "Runden Tisches der Religionen" in der Volkshoch- schule berichteten Michael Grünberg, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, Mufti und Imame Uysal,  Recber und Zeitun von muslimischen Gemeinden, und Schwester Anselma von den Franziskanerinnen über solche Erfahrungen. Freilich, es gebe, so äußern alle, auch positive Beispiele, dass Passanten staunend bemerken "Alle Achtung vor solchem Selbstbekenntnis". Aber die Negativbeispiele müssten, so ist sich der "Runde Tisch" einig, aus dem Alltag verschwinden.

"Religiös-symbolische Kleidung müsse zur Normalität werden. Der Respekt vor der anderen Religion gebietet das", forderte Stadtdechant Dr. Hermann Wieh. Und Aloys Lögering vom Arbeitskreis der Religionen ergänzte: "Jugendliche dürfen aufgrund religiöser Kleidungsstücke nicht in ihrer Karriere behindert werden." Ausführlich wurde über Religions- und Glaubensfreiheit debattiert. M. Grünberg, I. Recber und Dr. H. Wieh referierten über Kleidungsvor- schriften in Judentum, Christentum und Islam.
"Wo endet und wo beginnt die Freiheit zum Tragen religiöser Kleidung?" fragten Pfarrer Günter Baum, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen, und Pfarrer H.J. Kuhlmann, Vertreter des Superintendenten. "Ich trage mein Kopftuch freiwillig, aus Glauben; mich zwingt und unterdrückt niemand", antworteten anwesende Muslimas und ergänzten: "Warum stört das so viele?"

Prof. Dr. Reinhold Mokrosch von "Religionen für den Frieden" und Sprecher des "Runden Tisches" versuchte ein Fazit: In der Frie- densstadt Osnabrück müssen Religionsange- hörige ungestört ihre religiöse Kleidung tra- gen dürfen. Wer seine innere Überzeugung sichtbar machen möchte, habe dazu ein Recht – aber es müsse freiwillig geschehen.

Das reichlich erschienene Publikum dankt mit Applaus. In der nächsten Sitzung des Runden Tisches geht es um die Frage "Recht auf religiöse Kleidung im Beruf?" Hausherr Dr. Carl-Heinrich Bösling lädt wieder in die Volkshochschule ein.

(Prof. Dr. Reinhold Mokrosch)

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