Gentechnik im Essen ist offenbar ein Reizthema. Am 24. Januar 2008, vor den Landtagswahlen in Niedersachsen, fand eine sehr gut besuchte Podiumsdiskussion in der Osnabrücker Volkshochschule statt zum Thema "Gentechnik in Landwirtschaft und Lebensmitteln – wo steht die Politik?" Eingeladen waren die LandtagskandidatInnen der Parteien, wobei nur CDU und FDP aus Termingründen fehlten. Das Votum der anderen vertretenen Parteien (Grüne, SPD, Linke, Freie Wähler, ÖDP) war eindeutig: sie sprachen sich gegen Gentechnik aus. Damit entsprach ihre Haltung den Meinungsäußerungen der Bundesbürger, die verschiedenen Umfragen zufolge in ihrer Mehrheit die Gentechnik in der Landwirtschaft und in Lebensmitteln ablehnen. In einem differenzierten Einführungsvortrag erläuterte die Diplom-Ökotrophologin Martina Kiel von der Initiative "Gentechnikfreis Müsterland" zu Beginn der Podiumsdiskussion die vielfältigen Aspekte der gegenwärtigen Debatte um die Gentechnik.
Mitte 2007 konstituierte sich die Initiative "Gentechnikfreies Osnabrücker Land" aufgrund von unübersehbaren negativen Aspekten der grünen Gentechnik. Neben der weißen (medizinischen) und roten (Tiere betreffend) wird bei Pflanzen von grüner oder Agro-Gentechnik gesprochen. Um Letzteres geht es bei der Osnabrücker Initiative. Ein Oligopol von Saatgutmultis vermarktet die Technik aggressiv mit dem Versprechen höherer Erträge. Unabhängig davon, dass die Ernten in aller Regel sogar geringer ausfallen, als bei natürlichen Pflanzen, ist festzustellen, dass die gentechnisch in Pflanzen eingebauten Pestizide Boden und Wasser verseuchen sowie nützliche Tiere abtöten. Anzuwendende Herbizide, gegen die die genveränderten Pflanzen resistent sind, müssen in immer größerer Menge eingesetzt werden. Mit genverändertem Futter gefütterte Tiere sind zum Teil krank geworden oder sogar verendet; Menschen sind Versuchskaninchen. Ethisch gesehen stellt die Technik einen Eingriff in die Schöpfung dar. Ein weiterer Nachteil sind höhere Preise für Saatgut, das vor jeder Aussaat neu gekauft werden muss. Das aktuelle Gentechnikgesetz setzt einen Abstand von gentechnisch veränderten Pflanzen (Mais, Soja, Raps, Kartoffeln...) zu konventioneller Landwirtschaft von 150 m fest, zu Bioanbau von 300 m. Eindeutig zu wenig, da Bienen Pollen über fast 10 Kilometer transportieren, der Wind sogar über zig Kilometer und dadurch bisher noch natürliche Pflanzen gentechnisch verändert werden. Die gentechnischen Veränderungen setzen sich fort und sind nicht rückholbar. In Ländern wie USA, Kanada, Brasilien, Argentinien, Indien und China wird in sehr großem Stil gentechnisch angebaut. In Europa gibt es nennenswerte Flächen nur in Rumänien und Spanien; in Deutschland sind 0,15% der Flächen mit genveränderten Pflanzen bewirtschaftet. Das deutsche Gentechnikgesetz sieht unter anderem immerhin kennzeichnungsmäßig vor, dass Lebensmittel als „gentechnikfrei“ bezeichnet werden dürfen. Im Zuge ihrer Kampagne hatte die Osnabrücker Initiative im Oktober 2007 den internationalen Experten Dr. Andrioli aus Brasilien zu einem sehr gut besuchten Vortrag eingeladen.
Weitere Aktivitäten der Osnabrücker Initiative sind geplant, unter anderem das Sammeln von Unterschriften von Landwirten in der Region, die sich verpflichten, ohne Gentechnik zu arbeiten. Weitere Informationen zum Thema:
www.rlm-ev.de, www.andrioli.com.br/de, www.gendreck-weg.de




