Am 18. Dezember 2007 fand in der Volkshochschule Osnabrück eine Abendveranstaltung zum Thema "Religionsfreiheit in Ägypten? Zur Lage der Christen in arabischen Ländern" statt. Hauptreferent war Dr. Kees Hulsman, koptischer Christ und Journalist von "Arab West Report" aus Kairo. Als Mitreferenten saßen auf dem Podium: George Khoury, Christ und Palästinenser, ehem. langjähriger Redakteur der Deutschen Welle, Jane Vernon, Vorsitzende des Geistlichen Rates der Bahai in Osnabrück, und Prof. Dr. Reinhold Mokrosch, ev. Theologe und langjähriger Leiter der Osnabrücker Friedensgespräche. Die Moderation führte Aloys Lögering, Beauftragter des Bistums Osnabrück für den interreligiösen Dialog und Initiator des gesamten Abends.
Der Anlass für das Thema ist das Osnabrücker Friedensgespräch mit dem ägyptischen Religionsminister Mahmoud Zakzouk am 25. Oktober in der Stadthalle gewesen, bei dem die Frage nach der Religionsfreiheit in Ägypten und in anderen islamisch geprägten Ländern intensiv und strittig verhandelt worden ist. Seitdem herrschte in Osnabrück offensichtlich ein großes Bedürfnis nach authentischer Information zum anstehenden Thema, das bei dieser Informationsveranstaltung auch ca. 70 Teilnehmer/innen anzog.
In seiner Einführung wiederholte Moderator A. Lögering die Forderung des ägyptischen Religionsminister Zakzouk, dass alle Konflikte zwischen islamisch und westlich geprägten Ländern prinzipiell gewaltfrei ausgetragen werden müssten. Außerdem verwies er auf die jüngste Erklärung von 138 islamischen Gelehrten, die schlüssig darlegen, dass es ohne Friede und Gerechtigkeit zwischen Christen und Muslimen keinen Weltfrieden geben könne und dass Nächstenliebe und Gottesliebe die Schlüssel zur Versöhnung zwischen beiden Religionen seien.
Kees Hulsman aus Kairo, hervorragender Kenner der Situation der Christen in Ägypten und in anderen islamischen Ländern, resümierte, dass Christen in Ägypten zwar nicht verfolgt, aber oft diskriminiert würden. Solche Diskriminierungen würden aber nicht vom Staat erfolgen, sondern durch die örtliche Bevölkerung und die örtlichen Behörden. Deshalb hinge das Wohlergehen der Christen vom Verhältnis der jeweiligen christlichen Bischöfe zu ihren lokalen Behörden ab. – Er betonte ferner, dass 80% der koptischen Christen unter der Armutsgrenze leben würden. Das sei ein sozialer Sprengstoff. - Viel schwerer hätten es Bahais (in Ägypten: 2000 Gläubige unter 80 Mill. Menschen), Zeugen Jehovas und Mormonen. Sie hätten in Ägypten keine Bethäuser und würden von Muslimen und Christen gleichermaßen geschnitten.
George Khoury verwies darauf, dass sich das Christentum ursprünglich im gesamten Mittelmeerraum ausgebreitet habe und dann in vielen Ländern vom Islam zurückgedrängt worden sei. Er betonte, dass die "Kopten" (=ägyptische Christen) die älteste große Religion Ägyptens seien und als solche gewürdigt werden müssten. Aber davon könne keine Rede sein. Ihre Position sei in manchen Regionen Ägyptens problematisch, in anderen akzeptabel. Im Übrigen stimmte er mit der Analyse von Hulsman überein.
Jane Vernon von der Bahai-Religion beklagte zu Recht die Diskriminierung der ca. 2000 Bahai-Gläubigen in Ägypten. Wenn ein Bahai-Gläubiger um Angabe seiner Religion in seinem Pass bitte (jeder müsse seine Religion eintragen), dann erhalte er keinen Pass. Ohne Pass könne er aber kein Bank-Konto eröffnen; und ohne Bank-Konto könne er viele Beruf nicht ergreifen. Es sei ihm nur erlaubt, sich als "Muslim, Christ oder Jude" eintragen zulassen. Alle anderen Religionen würden liquidiert werden.
Reinhold Mokrosch, der Unterzeichner dieses Berichts, stellte fest, dass es im Sinne westlichen Denkens wohl keine Religions- und Glaubensfreiheit in Ägypten gebe. Faktisch seien dort nur die drei abrahamischen Religionen zugelassen, bzw. eigentlich nur zwei, da es unter den ca. 80 Mill. Ägyptern nur ca. 100 Juden gäbe. Er stellte die Frage, ob Scharia und Völkerrecht zusammenzubringen seien und brachte Beispiele, dass das schwer sei. Er plädierte deshalb dafür, mit dem Liberalen Islam auch in Ägypten zusammen zu arbeiten. Religionsminister Zakzouk sei dazu ein geeigneter Ansprechpartner. - Er brachte Beispiele, wie muslimischer Mob vor Ort gegen Christen und christlicher Mob vor Ort oft gegen Bahais vorgehe. – Zu bedauern sei außerdem das totale Missionsverbot in Ägypten.
Die Diskussion auf dem Podium und mit dem Publikum zeigte, dass es in Ägypten tatsächlich nur eine begrenzte Religionsfreiheit gebe, - und zwar nur für die drei bzw. zwei abrahamischen Religionen. Gegenüber den radikal-islamischen Staaten Saudi-Arabien, Sudan, Nigeria und z. T. Iran herrschten in Ägypten aber noch gemäßigte Umstände. Hier habe es – im Gegensatz zu den genannten vier anderen Staaten - wegen der Konversion vom Islam zum Christentum in den letzten 60 Jahren keine einzige Verurteilung mit Todesstrafe oder lebenslanger Haft gegeben, obwohl jährlich ca. 150 Muslime zum Christentum überträten.
Wird die Globalisierung eine Öffnung in Bezug auf Religions- und Glaubensfreiheit bringen? Die Podiumsteilnehmer äußersten sich skeptisch, aber nicht ohne Hoffnung.
Osnabrück, Januar 2008
Prof. Dr. Reinhold Mokrosch




