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Work and Labour Congress 

An den Nahtstellen der Zukunft

Internationaler Kongress von Volkshochschule und Universität

Unter dem Titel „Bildung, Wissenschaft, Arbeit – Perspektiven für das 21. Jahrhundert“ diskutierten in Osnabrück auf Einladung von Universität und Volkshochschule drei Tage lang 140 Sozialwissenschaftler und Praktiker aus über 30 Ländern zentrale Zukunftsfragen – darunter auch der zukünftige Präsident des Europäischen Parlaments, Prof. Dr. Hans-Gert Pöttering und die ehemalige Bildungs- und Wissenschaftsministerin Edelgard Bulmahn. Ziel war es, so die Organisatoren Prof. Dr. György Széll und Dr. Carl-Heinrich Bösling, „gemeinsam positive Entwürfe für eine bessere Welt zu entwickeln“.
Eine kritische Zustandsbeschreibung lieferte zunächst der alternative Nobelpreisträger und Ehrendoktor der Universität Osnabrück, Johan Galtung. Er zeichnete eine Welt, in der sich die Verhältnisse umkehren und die alten Aufteilungen in West und Ost oder Nord und Süd passé seien. Stattdessen stünden sich nun aufstrebende junge und alternde, erschöpfte Gesellschaften gegenüber. Zu letzteren gehörten die klassischen westlichen Industriestaaten, denen im dramatischen Umfang die industriellen Arbeitsplätze und zugleich die normativen Werte und der soziale Kitt verloren gingen. Den „old aged countries“ stünden Länder wie China und Indien gegenüber, die sich mit großem Optimismus entwickelten und rasante Wachstumsraten verzeichneten. Doch sowohl die alten wie die neuen Gesellschaften folgten dabei einer „Ökonomie, die uns tötet“. So plädierte er für eine neue Ökonomie,  die den Menschen und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt stelle.“

Greifbare Lösungen für eine neue Ökonomie

Ganz greifbare Lösungen für eine neue Ökonomie des nachhaltigen Produzierens und Konsumierens stellte Prof. Dr. Peter Hennicke, Präsident des Wuppertal-Instituts, vor. Er verdeutlichte, dass „unser Modell zu konsumieren nicht auf die rasant wachsenden Konsumentenklassen auf der ganzen  Welt ausgerichtet ist“ und dass daher „eine forcierte Steigerung der Ressourceneffizienz unabdingbar ist.“ So gingen bei der heutigen Energiegewinnung rund zwei drittel der Primärenergie verloren und für die Produktion eines Chips von 0,09 Gramm würden 20 Kilogramm abiotisches Rohmaterial vergeudet. Hier sei eine „Entkoppelung von Lebensqualität und Naturverbrauch“ angezeigt. Mit den jetzt  schon vorhandenen neuen Technologien sei es möglich, die Energieeffizienz „um den Faktor 4-5 zu verbessern“ und die fossilen Energieträger mittelfristig durch erneuerbare Energien zu ersetzen. Praxisbeispiele wie die „Solarregion Bodensee“ oder das „Bioenergiedorf“ im niedersächsischen Jühnde gäben hier „Anlass für Optimismus“.
Als vor Ort erfolgreich umgesetzte Alternative zum globalen Kapitalismus stellte Walter Frantz von der brasilianischen Universität Ijui „die Kooperative als eine auf Solidarität gegründete Wirtschaftsweise“ vor. Mit ihr gehe zugleich eine neue Form der Produktion von Wissen, Bildung und Lernerfahrung einher und „hier wird die kollektive und kreative Intelligenz zugunsten der Welt des Lebens und nicht des Kapitals gefördert und genutzt.“
Mit diesem Beispiel sah Prof. Dr. Heinz Sünker von der Universität Wuppertal den „Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit exemplarisch aufgelöst.“ In einer Podiumsdiskussion mit Vertretern aus China, Indien, Japan und Deutschland beschrieb er als „größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts“ die umfassende Demokratisierung unserer Gesellschaften und die Selbstbestimmung und Mitbestimmung aller Menschen als weiter zu verfolgende Utopie – denn sonst wachse „die Gefahr einer Wiederholung der Katastrophen des 20. Jahrhunderts.“

Suche nach einer besserene Gesellschaft

In seiner Abschlussrede stellte der im Rahmen des Kongresses feierlich emeritierte Osnabrücker Sozialwissenschaftler Prof. Dr. György Széll auch seine eigene Disziplin auf den Prüfstand. Ohne Frage bräuchte die Welt die Sozialwissenschaften weiterhin, „weil wir ernsthafte soziale Probleme haben“. Doch die Sozialwissenschaften müssten bei ihrer Suche nach einer besseren Gesellschaft verstärkt den Anschluss an die Praxis suchen und in interdisziplinären Netzwerken kooperieren. Die starke Resonanz auf den jetzt in Osnabrück durchgeführten fünften Kongress des internationalen Netzwerks „Regional & Local Development of Work & Labour“ (RLDWL) zeige, dass dies der richtige Weg sei: „Denn nur so können wir Inseln der Zukunft schaffen, um dann schließlich das Land der Zukunft aufzubauen.“

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