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Vokskrankheit Depression 

Wieviel Depression ist normal?

Die Depression ist auf dem Weg zur neuen Volkskrankheit: Rund vier Millionen Menschen sind hierzulande aktuell daran erkrankt und im Laufe eines Lebens erkrankt sogar jeder vierte Bundesbürger daran.
Im Rahmen der VHS-Schwerpunktreihe "Seelische Notsituationen verstehen und helfen" führte Dr. med. Uwe Kinzel, Leitender Arzt am Niedersächsischen Landeskrankenhaus in Osnabrück, in die Hintergründe dieser seit 2000 Jahren bekannten und auch bei Naturvölkern vorkommenden Krankheit ein.

Wie äußert sich ein depressives Krankheitsbild?

Als "völlig normal" charakterisierte Kinzel "phasenweise gedrückte Stimmungsbilder". Diese Phasen seien  für den Menschen "wichtige Frei- und Rückzugsräume", beispielsweise bei der Verlust-Trauer um geliebte Menschen.
Als alarmierende Krankheitssymptome führte er folgende über mindestens zwei Woche anhaltende Zustände an:

  • Grundlose depressive Stimmung
  • Freudlosigkeit
  • Interesselosigkeit
  • Pessimismus
  • Verminderte Konzentration
  • Suizid-Gedanken

Was sind die Ursachen für eine Depression?

Als einen "sehr starken Faktor" stellte Uwe Kinzel die genetische Veranlagung heraus. In diesem Sinne sei eine depressive Veranlagung tatsachlich vererbbar. Weitere Faktoren seien psychisch belastende Erlebnisse oder eine negative Sichtweise über sich selbst, die Umwelt und die Zukunft. Aber auch neurophysiologische bzw. organische Ursachen wie Neurotransmitter-Mangel oder eine zu hohe Cortison-Produktion in der Nebenniererinde könnten zu Depressionen führen.

Welche Therapie-Möglichkeiten stehen zur Wahl?

Als bewährtes Mittel bei leichter bis mittelschwerer Depression verwies Kinzel auf das Johanniskraut, warnte aber zugleich davor, dass auch bei diesem Naturmittel die Gefahr von teilweise nicht unerheblichen Nebenwirkungen bestehe.
Medikamentös stehen zur Behandlung der verschiedenen Spielarten der Depression heute 26 Antidepressiva zur Auswahl, denen er eine "hohe Wirksamkeit", aber auch viele Neben- und Wechselwirkungen bescheinigte.
Weitere therapeutische Möglichkeiten seien die klassische Psychotherapie, aber auch regelmäßiger Sport und Lichttherapie trügen zur Heilung bei.
Eine lebhafte Diskussion entzündete sich bei der Vorstellung der  "Elektrokrampfbehandlung", die laut Kinzel "zwar schlecht beleumundet, aber sehr effektiv ist". In den USA sei die Elektrokrampfbehandlung, durch die sich im Gehirn neue Nervenzellen und Rezeptoren bilden, bereits das "Mittel der ersten Wahl".

Wie gehe ich mit depressiven Menschen um?

Im privaten Umgang mit depressiven Verwandten oder Freunden riet Dr. med. Uwe Kinzel dazu, sie geduldig zu dem zu aktivieren, was früher einmal Spaß gemacht habe. Fatal sei es, diesen Menschen lapidar mit "Kopf hoch, das wird schon wieder" zu begegnen.
Anlaufstellen für professionelle Hilfe sind neben Haus- und Facharzt auch die Telefonseelsorge, der Gesundheitsdienst oder das Landeskrankenhaus selber.

Literaturtipp zum Thema:

Ulrich Hegerl, David Althaus, Holger Reiners: Das Rätsel Depression: Eine Krankheit wird entschlüsselt. 20 Abbildungen. Beck C. H., März 2005 - kartoniert - 254 Seiten, 19,90 Euro.

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